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Sophie Scholl - Die letzten Tage (Deutschland 2004, Drama)

Regie: Marc Rothemund  Darsteller: Julia Jentsch, Fabian Hinrichs, André Hennicke

Kritik:

Spürt ihr, wie behutsam ich auf die Tasten tippe? Grad so, als führte ich eine Bleistiftspitze ganz vorsichtig über hauchdünnes Büttenpapier ? es nicht zu verletzen, die Stille in mir nicht zu durchbrechen, die Ehrfurcht zu bewahren und weiterhin diese feste, aufrichtige und viel zu junge Menschenmädchenstimme in mir nachklingen zu lassen. Beinahe würde ich es vorziehen, gar nichts zu schreiben, weil nichts außer stummer Traurigkeit bleibt, wenn am Ende des Films dreimal die Guillotine durch die vollkommen dunkle Leinwand fällt: einmal durch die Hälse, einmal durch die deutsche Geschichte und einmal durch mein Herz. Aber es muss gesagt werden, jetzt und hier, damit Zivilcourage, Mut und ein unauslöschlicher Wunsch nach Frieden und Freiheit auf alle Zeit in unserem Bewusstsein haften bleiben, wie ein selbstgedrucktes Flugblatt, es muss gesagt werden, wenigstens dies, flüsternd wie ein Schrei: geht ins Kino!

Der Film setzt an der Stelle an, an der die Mitglieder der weißen Rose im verdunkelten Atelier ihre Flugblätter vervielfältigen. Hans und Sophie verteilen sie in der Münchner Universität und werden geschnappt (vom ewig aufmerksamen, urdeutschen Hausmeister). Es folgen einige wenige Tage der Vernehmung, die standrechtliche Aburteilung im Schauprozess durch den Unrichter Freisler und die umgehende Hinrichtung. Der Regisseur Marc Rothemund beschränkt sich auf wenig, glücklicherweise, und greift insbesondere auf die Originalprokotolle des Verhörs von Sophie durch den Gestapo-Beamten Robert Mohr zurück (auch so ein urdeutscher Wahnsinn: den Wahnsinn bis ins Kleinste zu bürokratisieren und feinsäuberlich in Akte B, Unterabschnitt F1 abzuheften; bis 1990 übrigens fest und uneinsehbar verwahrt in SED-Archiven). Und gerade dieses Wenige, dieses Hinschauen auf das Gesicht und das Hinlauschen auf die Worte, verleiht dem Ganzen Fleisch und Blut, Größe und Nähe und allerwärmstes Menschsein.

Wenn man nicht wüsste, dass Sophie Scholl deutlich anders aussah als die zum Niederknien aufspielende Julia Jentsch, dann könnte man fast den Eindruck gewinnen, dass da jemand durch die Jahrzehnte zurückgereist ist und klammheimlich alles aufgenommen hat: die zitternden Lippen, die betenden Hände, den zärtlichen Blick durchs vergitterte Fenster hinauf in Gottes unerschütterlichen Wolkenhimmel. Und bei dem Gedanken an eine Zeitreise hin zum hellsten Fleck unserer schwärzesten Vergangenheit kommt mir die Mutter von Marty McFly aus "Zurück in die Zukunft" in den Sinn, wie sie beim (ahnungslosen) Anblick ihres ungeborenen, erwachsenen Sohnes plötzlich mit heiterer Mine frohlockt: Marty ? was für ein schöner Name.

Und damit möchte ich auch schon schließen (und wieder Ruhe einkehren lassen), mit dieser überaus persönlichen Erkenntnis am Rande, ganz ernst gemeint: Sophie ? was für ein schöner Name! (Reinhard Staupe)

Wertung: