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Moviesite.de-Kritik aus dem Jahr 1998

Lola rennt

Deutschland 1998

Regie: Tom Tykwer Darsteller: Moritz Bleibtreu, Franka Potente

Inhalt

Der Kleinkriminelle Manni (Moritz Bleibtreu) hat ein riesiges Problem: Für seinen Chef sollte er Diamanten schmuggeln und die dafür erhaltenen 100.000 DM um Punkt 12 Uhr mittags abliefern. Auf der Fahrt zum Treffpunkt muss er jedoch in aller Eile die U-Bahn verlassen, da er keine Fahrkarte hat und die Kontrolleure nahen. Dummerweise vergisst er bei dieser Flucht im Waggon seine Tasche: Der Inhalt: Die 100.000 DM die er abliefern muss. Er sieht gerade noch wie ein Penner (Joachim Krol) die Tasche nimmt, als auch schon die U-Bahn ihre Fahrt fortsetzt - und zwar mit dem Geld. Verzweifelt wartet Manni am vereinbarten Treffpunkt und ruft seine Freundin Lola (Franka Potente) an, die ihm helfen soll. Sollte er bis 12 Uhr das Geld nicht haben, will er einen nahegelegenen Supermarkt überfallen, da er ohne die 100.00 DM so gut wie tot ist. Es ist 11.40 Uhr, also nur noch 20 Minuten Zeit. Seine Freundin Lola hat zwar noch keinen Plan, will aber alles versuchen um Manni zu helfen. Sie legt also den Hörer auf und rennt los...

Kritik

Diese Kritik hat es sogar in ein richtiges Buch geschafft! :)
Buch "Anders gedacht" in der google Books-Suche

Lola, bleib' lieber stehen! Leider ging der Film gründlich daneben. Schade eigentlich, denn aus dieser Thematik, der an sich originellen und unverbrauchten Idee, hätte man mehr machen können. Es ist wirklich mal was neues, ein und dieselbe Handlung dreimal hintereinander leicht abgewandelt zu erzählen. Lola rennt nämlich aus ihrer Wohnung und trifft auf  einen Nachbarn und dessen Hund. Je nachdem wie sie an ihm vorbei kommt, ändert sich der nachfolgende Verlauf der Geschichte völlig. Nach dem Prinzip "Wenn ein Schmetterling in China mit den Flügeln schlägt gibt es in Amerika einen Wirbelsturm" wird dann die Geschichte dreimal erzählt. Es ändern sich vordergründig nur Kleinigkeiten, der weitere Lebenslauf bestimmter  Personen aber gewaltig. Man sieht also, dass dieser Film mit Sicherheit kein "Mainstream-Film" ist, aufgrund der originellen Idee aber durchaus vielversprechend. Leider ist die Umsetzung dieses Themas alles andere als gut gelungen. Von der ersten Minute an   fragt man sich: Bin ich im Kino oder schaue ich mir ein Musikvideo an? Viel zu rasante Schnitte, wirre Kamerafahrten und viel zu viele und dazu noch deplatziert wirkende Effekte verderben einen den Spaß an diesem Film. Warum ist die Schlüsselszene (Lola rennt am Nachbarn vorbei) als billiger Zeichentrick dargestellt. 360-Grad-Kamerafahrten sind zwar schön und gut, allerdings nur wenn sie nicht  andauernd und an falschen Stellen eingesetzt werden. Dies sind nur zwei der vielen Beispiele. Am schlimmsten ist allerdings die nervtötende Backgrund-Musik. Immer wenn Lola rennt, muss man  immer dieselbe, viel zu laute, monotone und einfallslose Musik anhören. Während der Regisseur mit Effekten nur so um sich schmeißt ist im auf musikalischer Ebene ziemlich wenig eingefallen. Auf mich wirkt dieser Film wie ein Experiment. Möglichst viele filmtechnische Spielereien werden zusammengemixt mit dem Ergebnis: Experiment misslungen! Bei keinem Film passt der Satz "weniger wäre mehr gewesen" besser als bei 'Lola rennt'. Ansatzweise ist der Film ja wirklich nicht schlecht und auch die Idee, eine Handlung dreimal leicht abgeändert zu erzählen klingt verheißungsvoll. Leider wurden diese guten Ansätze im Kein erstickt. Zugute halten muss man dem Film aber trotz allem, dass man es wenigstens einmal gewagt hat, alte, eingetrampelte Filmpfade zu verlassen und etwas Neues zu probieren. Auch eine gewisse Kreativität kann man dem Regisseur nicht absprechen, wenngleich er es viel zu stark übertreibt. Bleibt zu hoffen, dass man trotz dieses Fehltritts  weiterhin etwas anderes versucht, aber dann bitte mit mehr Erfolg. Denn wie gesagt: Lola rennt hätte vom Ansatz her ein sehr guter Film werden können.
Kurz gesagt: Eine vielversprechende Thematik und Idee wurde schlecht umgesetzt, weshalb der Film bestenfalls als mittelmäßig zu betrachten ist.

JörnEine Kritik von Jörn
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Lola rennt
			(1998) on IMDb